Was sind Ressourcen?
Zwei Maximen der animatorischen Arbeit sind die Orientierung an -Bedürfnissen und -Ressourcen
Doch – was sind Ressourcen?
Duden unterscheidet zwei Bedeutungszuschreibungen zum Wort:
- Ein natürlich vorhandener Bestand von etwas, was für einen bestimmten Zweck, besonders zur Ernährung der Menschen und zur wirtschaftlichen Produktion, [ständig] benötigt wird
- Bestand an Geldmitteln, Geldquelle, auf die jemand zurückgreifen kann (Duden.de)
Diese Ausführungen verweisen bereits darauf, dass Ressourcen offenbar etwas Wertvolles sind, auf das Menschen im Bedarfsfall zurückgreifen können.
In der Sozialen Arbeit werden unter Ressourcen Potenziale, Stärken, Kompetenzen, Hilfsmittel, Möglichkeiten, «Kraftquellen» verstanden, welche einer Person oder deren Umfeld zur Verfügung stehen und welche aktiviert werden können. Es gilt, diese Ressourcen zielgerichtet und handlungswirksam einzusetzen (Winkelmann, S 19).

1.1 Innere und äussere Ressourcen
Es werden innere und äussere Ressourcen unterschieden:
Innere Ressourcen
- Individuelle Ressourcen (persönliche Kompetenzen, Talente..)
Äussere Ressourcen
- Soziale Ressourcen (soziale Netze, professionelle Unterstützungssysteme..)
- Materielle Ressourcen (finanzielle Unterstützung, Gehalt, Wohnraum..)
(Möbius, S. 14).
Innere Ressourcen sind also Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person, Interessen und Potenziale (dass jemand gut sprayen kann, sich für Politik interessiert, Ausdauer hat, …), aber auch Überzeugungen, Glaubessätze und Prägungen (Glaube an das Positive im Menschen, Nächstenliebe, …) können Ressourcen sind, welche in einer Situation unterstützend wirken.
Äussere Ressourcen sind einerseits Beziehungen, welche unterstützend wirken (Freunde, die ältere Schwester, Nachbarschaft, Verein, ein Lehrmeister, …), und andererseits materielle Möglichkeiten wie ein Auto, Geld, etc.
1.2 Was meint Orientierung an Ressourcen?
Mit der Ressourcen-Orientierung korrespondiert eine systemische Sichtweise, welche das Individuum eingebettet in seinem Umfeld wahrnimmt und betrachtet.
Ressourcenorientierung meint die Orientierung an Potenzialen und Kompetenzen, Interessen und Stärken, an Stelle von einer Orientierung an Defiziten. Die Adressatin wird so zur aktiven Ko-Produzentin (Möbius, S. 15f). Ressourcenorientierung meint eine Perspektive, welche Defizite nicht negiert oder ausblendet, sondern danach fragt, welche Möglichkeiten im System bestehen, um diese Defizite zu beheben oder abzuschwächen (Ritscher in Winkelmann, S. 21). Winkelmann weist darauf hin, dass kulturell bedingt der Blick eher auf die Schwächen der Mitmenschen gerichtet ist als auf die Ressourcen. Positive Rückmeldungen und erlebte Wertschätzung erhöhen jedoch die Bereitschaft, sich zu entwickeln und auch Kritik anzunehmen (S. 41).
Dies bedeutet, den Fokus auf das zu richten, was funktioniert, was in der Situation unterstützend wirkt, an Stelle eines Fokus auf Mängel und Defizite.
Auf Grund der Tatsache, dass Menschen nicht von aussen instruier- oder steuerbar, sondern «operativ geschlossen» sind , kann auch nur mit den Ressourcen gearbeitet werden, welche vorhanden sind. (Es nutzt nichts, am Gras zu ziehen, damit es schneller wächst.)
Jedoch können Ressourcen erweitert auf aufgebaut werden, wenn das Individuum darin einen Sinn sieht.
Ressourcen-Orientierung in der Sozialen Arbeit bezweckt, dass Menschen am gesellschaftlichen Leben (Bildung, Wohnen, Arbeit, Integration, Freizeit, …) teilnehmen und teilhaben. Sie will individuelle Ressourcen und das soziale Umfeld (Netzwerke) mobilisieren und stabilisieren. Zentral dabei sind Partizipation und Transparenz (Möbius, S. 28f).
1.3 Ressourcenorientierung als Animator:in
Animatorische Arbeit will auf Grund des gesellschaftlichen Wandels echte Kommunikation fördern, Gemeinschaft ermöglichen, und so die Qualität des Zusammenlebens im Gemeinwesen verbessern (Moser et al, S. 24f).
Animatorische Arbeit nimmt Interessen und Bedürfnisse der Adressat:innen auf und strebt individuelle und kollektive Entwicklung an (Stichwort ausserschulisches Lernen). Sie will die Ressourcen der Adressaten einerseits aufnehmen, und andererseits auch erweitern. Jedoch sind animatorische Settings freiwillig, nicht auf das Erreichen einer Qualifikation oder eines Diploms ausgerichtet, und somit nicht direktiv (Moser et al, S. 15f).
Das bedeutet, dass Animation nicht fordernd auftritt, sondern mit dem arbeitet, was ist.
Alles andere ist gar nicht möglich, da im freiwilligen Rahmen (oft in der Freizeit) in dem die Animation agiert, keine Druck- oder Sanktionierungsmittel bestehen. Diese würden sich auch kontraproduktiv mit Sicht auf die Ziele der Animation auswirken.
Eine Aufgabe für Professionelle ist es auch, soziale Ressourcen zu fördern und die Schaffung individueller soziale Netze anzuregen (Winkelmann, S. 21).
Bedeutung der Kommunikation als Animator:in
Der animatorische Dreischritt «anregen – ermutigen – befähigen» setzt eine hohe kommunikative Kompetenz voraus. Diese besteht aus verbaler und nonverbaler Kommunikation (Moser et al, S. 129).
Marcel Spierts formuliert in seinem Modell das Knüpfen von Kontakten als erste der fünf Kernaufgaben der soziokulturellen Arbeit. Diese erste Kernaufgabe einer Animatorin umfasst einen Prozess von Diskussion, Dialog, Fragen stellen, zuhören und Verständigung. Wichtig ist die Balance einer freundlichen, offenen, und zugleich sachlichen Haltung. Obwohl animatorische Arbeit meist auf Gruppen abzielt, ist individuelle Gesprächsführung eine wichtige Fertigkeit für Profis der Sozialen Arbeit (S. 136ff).
Im Modell der Interventionspositionen wird in der «Mediationsposition» die Kommunikation als zentrales Arbeitsmittel in der animatorischen Arbeit hervorgehoben. Gemeint ist damit eine vermittelnde Zwischenposition, eine Interposition. (Im alltäglichen Sprachgebrauch meint Mediation Konfliktvermittlung. Im vorliegenden Modell wird Vermittlung breiter verstanden).
Diese vermittelnde Position kann
- problematisieren, also auf Situationen hinweisen
- übersetzen, also zwischen Gruppen, Lebenswelten oder Systemen zu Klärung beitragen
- zwischen unterschiedlichen Interessen einen Ausgleich suchen, also Wissen zur Verhandlungs-führung beisteuern oder selbst Interessen vertreten
- zur Lösung manifester Konflikte beitragen (Moser et al, S. 147ff)
W. Hinte (in Moser et al, S. 79) hat den Begriff der intermediären Instanz geschaffen. Er meint damit eine vermittelnde Instanz zwischen Lebenswelten, Bedürfnissen und Interessen der Bürger/innen auf der einen und der Politik und Verwaltung auf der anderen Seite.
In diesem Sinne geht es oft um das Sensibilisieren für Anliegen und darum, sich bei der Lösungsfindung anzubieten.
2.1 Welche Kommunikation bietet sich nun an?
Kommunikation, Kooperation und Partizipation sind zentrale Prinzipien der Animation. Menschen sind soziale Wesen mit der Fähigkeit, eigene Vorstellungen fürs Leben entwickeln und umsetzen zu können und zugleich Sinn und Nutzen eines friedlichen Zusammenlebens zu erkennen (Moser et al, S. 215 ff).
Und – die Verbindung zwischen Menschen ist die Kommunikation. Aber welche Art der Kommunikation unterstützt die Zielsetzungen der Animation, um die Äusserung von echten Bedürfnissen und dar-aus hervorgehend Partizipation zu fördern?
Von Bedeutung ist eine wertschätzende, respektvolle Haltung, damit das Gegenüber eher Zugang zu seinen Ressourcen finden kann (Winkelmann, S. 110).
Carl Rogers, auf den der personenzentrierte Ansatz zurückgeht, hat drei Grundhaltungen formuliert, welche auch für die animatorische Arbeit vortreffliche Dienste leisten:
Akzeptanz: Die Person oder die Situation so annehmen, wie sie ist.
Empathie: Sich selbst kurz in die Person / Situation versetzen, der man sich gegenübersieht.
Kongruenz: Echt sein. Eigene Betroffenheit oder Störungen ansprechen. Nonverbale und verbale Inhalte stimmen überein. (Müri & Steiner, S. 33f)
Literatur
- Moser, Heinz, Müller, Emanuel, Wettstein, Heinz & Willener, Alex (1999). Soziokulturelle Animation. Luzern: Verlag für Soziales und Kulturelles. Fachportal Pädagogik | Amazon.de
- Möbius, Thomas & Friedrich, Sybille (Hrsg.) (2010). Ressourcenorientiert arbeiten. Wiesbaden: VS Verlag. Springer (Verlag) | socialnet Rezension
- Müri, Peter & Steiner, Barbara (2006). Coaching auf den Punkt gebracht. Bern: hep-Verlag. Autorin Barbara Steiner (Verlagsinfo) | coaching-report.de (Rezension)
- Spierts, Marcel (1998). Balancieren und Stimulieren. Luzern: Verlag für Soziales und Kulturelles. interact-verlag.ch (Verlag)
- Winkelmann, Iris (2014). Systemisch-ressourcenorientiertes Arbeiten in der Jugendhilfe. Heidelberg: Carl Auer. Carl-Auer Verlag | socialnet Rezension
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